Über

Kosmische Collagen von Bwan

Wer verbirgt sich als Künstler, hinter diesem Pseudonym ? Der Individualist entwickelte schon früh eine starke Beziehung, ja Affinität zur indischen Kultur und Sprache sowie zur rhythmischen Musik.

Schon mit 19 Jahren reiste er allein nach Indien, wo er seinen Sprach-Kultur- und Musikinteressen nachging und u.a. das Tablaspiel lernte und wandte er sich schließlich in Hamburg dem Studium der Indologie, Kunstgeschichte und Iranistik zu. Es folgten in diesen Jahren viele weitere Indienreisen und ein Besuch im Iran. Seine künstlerischen und designerischen Fähigkeiten setzte er schon früh professionell für die Lübecker Galerie seines Vaters ein.

Bwan arbeitet schon seit etwa l0 Jahren, mittlerweile in Basel wohnend, in aller Abgeschiedenheit, mit großer Intensität an seinen einmaligen künstlerischen visionär-utopischen Collagen.

Inzwischen ist ein Opus von über 80 Arbeiten entstanden, bisher verborgen vor der Öffentlichkeit. Die große Leidenschaft und Akribie, mit der Bwan ans Werk geht, vor allem aber die innere Ergriffenheit, führte zu einem einzigartigen Œuvre, das nun endlich einer interessierten Öffentlichkeit- und das in der Kulturstadt Lübeck, mit ihrem ambivalenten – weltoffenen, aber auch konservativ-muffigen Geist – vorgestellt werden soll. Ein Risiko fürwahr, auch, was die bürgerlichen Medien angeht.

Es ist nicht nur die technische Perfektion dieser „Collagen“, sondern eben auch die Vision, die dahinter steht und die aufmerksame Betrachter nicht unberührt läßt. Bwan setzt sich auf seine höchst sensible und individualistische , durch reiche Kenntnisse abendländischer und etlicher ferner Kulturen fundierte Ikonografie, mit den großen Fragen unserer vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Zivilisation auseinander. Die besorgte Frage nach dem „Wohin“ drängt sich, meist subtil, in vielen seiner Arbeiten auf Eine problemlose, heile, friedliche Welt ist es wahrlich nicht, die uns hier begegnet.

Künstler haben bekanntlich immer die Zeichen der Zeit erkannt und oft auch verdeckte Probleme, kosmische Katastrophen , Naturzerstörungen sowie kriegerische Entwicklungen im voraus erspürt. Bwan steht da durchaus in der Reihe spätmittelalterlicher, manieristischer‚ symbolistischer, dadaistischer und surrealistischer Meister von Bosch, Breughel,zu Goya, Dali, Radziwil oder Max Ernst. Darüber hinaus greift er etwa auch ästhetisch auf das naturwissenschaftlich-astrologische Repertoire eines Universalisten wie Athanasius Kircher (17. Jh.) zurück.

Aber – und das zeichnet den modernen und zugleich „romantischen“, am Computer arbeitenden Collagekünstler aus: er baut sich seinen eigenen Mikro- und Makrokosmos mit allen Mitteln der perfektionierten PC-Technik zusammen und läßt darüber zugleich alles Technisch-Mechanische vergessen. Eine Ganzheit, ein geschlossener Kosmos entsteht so, ein Abbild unserer Welt, gespiegelt in den Visionen eines außergewöhnlichen Künstlers. Auf der Kunst-Biennale Venedig sind interessanterweise auch wieder verstärkt Ansätze zu gesellschaftsbezogener, kritischer Kunst zu beobachten.

Der Collagist mischt indessen immer wieder auch zahlreiche Anteile von Poesie, phantastischer Vision , kosmischer und biologischer Schönheit in seine mitunter unheimlichen Gestaltungen. Dem Betrachter will er weder Angst machen noch ihn belehren. Er darf auch meditierend und nachdenkend vor den klaren und farbintensiven Bildern verweilen und sie in ihrem Detailreichtum, ihren versteckten Anspielungen und Analogien bewundern.

Zur dieser – dem traditionell geschulten Kunsthistoriker kaum geläufigen oder gar in modernen Galerien und Museen anzutreffenden, über den Computer hergestellten Kunst, ein paar Hinweise: Als knapper terminus technicus kann hier das „cut and paste“ gelten, also das Ausschneiden und Einfügen. Wenn es denn so „einfach“ wäre wie das herkömmliche Collagieren mit Schere und Leim… l

Es sind indessen unzählige Elemente, die der Künstler sich aus demgespeicherten „Universum“ heraussuchen muß, um sie dann in mühevoller, unendlich geduldiger, aber vor allem auch intuitiver und inspirierter Feinarbeit zusammenzufügen und nahtlos zu verschmelzen. Mit Technik alleine ist das beileibe nicht zu bewerkstelligen, wie vielleicht einige „schlaue Computerfreaks“ meinen. Wie in jeder ernsthaften, inspirierten Kunst kommt es hier auf die Eingebung, den „göttlichen Funken“ an, der gottseidank einigen hochbegabten Künstlern zu eigen ist. Dass die Arbeiten des Bwan auf sehr hochwertigem Aquarellpapier mit dauerhaften,intensiven Farben bei einer namhaften Druckwerkstatt hergestellt werden, ist ihnen anzusehen. Ein einfaches, herkömmliches Farbdruckverfahren wäre diesen Kunstdrucken von niedriger Auflage nicht angemessen.

Es gibt einige wenige bekannte Künstler des Genres „cut and paste“. Zu nennen ist da etwa oder der von Max Ernst inspirierte „Graswurzel-Anarchist“ James Koehnlein aus den USA, ebenso wie der in die USA emigrierte Bremer „Sätty“. Schliesslich sind auch die eklektischen Eitempera-Gemälde des Ernst-Fuchs-Schülers Mati Klarwein aus Collagen entstanden.

Es wäre zu wünschen, dass ein äußerst zurückhaltender, aber hochbegabter moderner Collagekünstler wie Bwan die gebührende Beachtung und Wertschätzung findet.

 

BB, 10.Mai 2015